KULTURPFLEGE Mundart-Quartett Meelstaa singt auf Oberhessisch / Dialekt nicht nur im Fasching

 

ORTENBERG (ten). Den oberhessischen Dialekt zu erhalten, hat sich das Mundart-Quartett Meelstaa zur Aufgabe gemacht. Obwohl bei den Konzerten viel gescherzt und gelacht wird, ist es dem Sänger Berthold Schäfer damit sehr ernst. Er möchte nicht nur Klamauk machen, sondern zeigen, dass der heimische Dialekt eine vollwertige Sprache ist, in der sich auch ernste Gefühle ausdrücken lassen.

So finden sich auch ausgesprochen nachdenkliche, fast melancholische Titel wie „Hearbstbloihe“ im Repertoire. Der Text beschreibt nicht nur die Jahreszeit, sondern vor allem auch den Herbst des Lebens. Dabei findet Meelstaa einfühlsame Worte für die Würde des Alters, wenn zum Beispiel das goldene Leuchten der Zeit in einem reifen Gesicht beschrieben wird.


Die Musiker möchten nicht nur authentisch, wie es oft angestrebt wird, sondern „echt“ sein. In seinem Lied „Menschegleck“ – Menschenglück singt Schäfer „un ich pfeif’ auf des falsche Gedöns un Geschwätz“. Diese Abneigung gegen eine Gesellschaft, in der der Schein mehr bedeutet als das Sein, taucht immer wieder, unter anderem auch in „Küsschen häi, Küsschen do“ auf. Mit diesem Stück nimmt Schäfer auch Bezug auf die Rodgau Monotones, die als Vertreter der hessischen Kultur galten. Mit „Ei Gude, wie“ hätten diese das Thema ebenfalls schon behandelt. Solche Belanglosigkeiten könnten zum Ritual werden, erzählt er. So verlaufe die Begrüßung mit einem Kollegen jeden Morgen nach dem gleichen Muster: „Na wie? – Ei so. – Na dann.“

Neben den ernsten Inhalten gibt es aber nicht nur wegen der teilweise trockenen Kommentare der Musiker auch Einiges zu lachen. Humorvolle Texte sorgen dafür, dass Meelstaa-Konzerte nicht im Tiefsinn versinken. So etwa, wenn Schäfer in „Bapp un Schiwwer“ von einem hübschen Mädchen und ihrem Gaastebock singt. „Stell dir für, Du leist mit der im Bett un de Gaastebock leit in de Mitt“, malt er einen romantischen Alptraum.

Dazu beherrschen die Musiker von Meelstaa, neben Schäfer sind das David Domine an der Gitarre, Glemens Goth am Bass und Jens Schneider unter anderem an der Mandoline, unterschiedlichste Genres. Obwohl man ihre Musik eigentlich unter Folk einsortieren müsste, finden sich ausgewachsene Rock-Stücke genauso wie Blues und Boogie. Natürlich darf bei Musik vom Land auch Country nicht fehlen. Zu Kenny Rogers „You picked a nice Time to leave me“ singen Meelstaa „Aich sein bescheuert, aich sein net normal“. Schäfer betont, dass es ihm aber auch bei solchen komischen Stücken vor allem darum geht, „dass der Dialekt erhalten bleibt und nicht nur zu Fastnacht, um sich über sich selbst lustig zu machen“. Das schließt Humor nicht aus, wenn Schäfer zum Beispiel über „Schnobbe un Houste“ singt.

Artikel aus dem Kreis-Anzeiger für Wetterau und Vogelsberg vom 20.6.2015