Begeistertes Publikum im vollbesetzten Gelnhaarer Bürgerhaus: Mundartgruppe Melstaa tritt erstmals an Öffentlichkeit

(hwo). Vor einigen Jahren haben es viele bedauert, dass sich die bekannte und beliebte Mundartgruppe „Fäägmeel“ aufgelöst hat. Dies ging dem Mitbegründer der damaligen Band, Berthold Schäfer, genauso und er wollte es nicht hinnehmen, dass die Mundart im „modernen“ Leben immer weiter in Vergessenheit gerät.

Zum Glück fand er zwei neue Mitstreiter, mit denen er nun „Meelstaa“ gründete. Nach der „Fäägmeel“, in der die Getreidekörner gereinigt werden, nun die logische Fortsetzung: Der Mühlstein, der zur Weiterverarbeitung und zum Mahlen gebraucht wird. Mit dem Allroundtalent Berthold Schäfer (Gitarre, Schlagzeug, Mundharmonika, Gesang - und mindestens drei Dinge davon gleichzeitig) sitzen noch Michael Fennel (Gitarre und Gesang) sowie der aus Hawaii stammende David Domine (Bass und Gesang) auf der Bühne.
v Diese Bühne im vollbesetzten Bürgerhaus Gelnhaar war von den Veranstaltern, dem Usenborner Männerchor „Liederkranz“, mit vielen alten Dingen wunderbar ausgestattet worden. Da gab es die berühmte „Feegmeel“, aber auch alte Sensen, Dreschflegel, Strohballen, Maispflanzen, Sonnenblumen, Herbstlaub, Äpfel, eine Apfelpresse und noch vieles mehr, was die Zuhörer an einen früheren Bauernhof denken ließ.

Eröffnet wurde das Konzert von den „Brellosse“ unter der Leitung von Heiko Dietz, einer im Dialekt singenden Unterabteilung des „Liederkranzes“. Sie stimmten das Publikum mit „Schie is’n Samstag“ und „Waß de noch, wei des wor“ auf das Kommende ein. Robert Wegener begrüßte die Gäste und die Gruppe „Meelstaa“ und wünschte allen viel Spaß. Den hatten die Besucher wirklich, denn da wurde nicht einfach ein Programm abgespult, sondern da wurden die Lieder kurz erklärt, kleine Schwänke erzählt, zum Mitklatschen und Mitsingen animiert.



Schon die Begrüßung „G’nobend“ mit der Schilderung, wie die Gruppe dank der vielen Sperrungen auf Umwegen nach Gelnhaar gefunden hatte, war köstlich. Sie hatten mit „Imwege sei doch schie“ auch gleich das passende Lied.

Die Lieder spiegelten viele Facetten des Lebens wider. Da gab es die Erzählungen aus der Kindheit, da wurde an die „Eisblomme“ von damals erinnert oder mit „Weit und noh“ daran, wie es viele in die Weite zog.

Es gab „Schmusesongs“ über Herzschmerz und mehr, Nachdenkliches über den Herbst in der Natur und im Leben, oder die Feststellung „’s Lewe is bunt un narrisch“, aber auch, dass „alternativ“ manchmal auch „alter-naiv“ ist. Einfach um Spaß ging es bei den Liedern wie „Nachbars Gockel“, dem „Foahrroad“, das nicht anspringt, dem „Rerrer-Kerre-Bulldog“ oder der jungen Dame, die den „Gastebock“ immer dabei hatte. Herrlich auch die Feststellung, dass „mit em Aff uff’m Foahrroad“ die Gass viel zu eng ist. Die „Rure Roiwe Roppmaschin“ durfte natürlich auch nicht fehlen und es wurde lautstark mitgesungen.

Die Gruppe „Meelstaa“ singt vorwiegend Lieder ihrer Vorgänger, die zum Teil neu bearbeitet wurden. Es gibt auch ein paar bekannte Melodien mit völlig neuem Inhalt. „Mir hatte mol e Kuh, die hieß Marina“, passt prima zur Ohrwurm-Melodie, und ganz zum Schluss, nach der zigsten Zugabe, ließ sich „Wo die Äcker brat sei, die Wisse voll Keuh, wo die Berge voll Wald sei, da schmeckt uus die Bräu“ ganz leicht singen auf die Weise von „An der Nordseeküste“ - und das taten dann alle auch mit Begeisterung.

Bericht und Bild vom Kreisanzeiger für Wetterau und Vogelsberg vom 16.10.2012