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Glanzlichter des Chorgesangs

„Liederkranz“ Usenborn und Gastchor aus Oberflockenbach besingen das „starke Geschlecht“

Beim Fußball-Lied der Gäste aus Oberflockenbach fehlt die Vuvuzela nicht.
Bild aus dem Kreisanzeiger für Wetterau und Vogelsberg v. 10.11.2014

ORTENBERG - (hwo). Wenn der Männergesangverein „Liederkranz“ 1898 Usenborn „Glanzlichter des Chorgesangs“ verspricht, dann kann man sich auf dieses Versprechen verlassen. Das Chorkonzert am vergangenen Freitag im Ortenberger Bürgerhaus mit einem Gastchor aus dem baden-württembergischen Oberflockenbach unter dem Titel „Reine Männersache“ war wirklich etwas Besonderes. Beide Männerchöre boten Chorgesang vom Feinsten, zeigten Spielfreude und den Mut, sich auch selbst auf die Schippe zu nehmen.

Wie kommen nun die Männer aus Oberflockenbach – einem Ortsteil von Weinheim an der Bergstraße – nach Ortenberg? „Wir sind Grenzgänger“, sagte der Vorsitzende Klaus Dennemoser, „denn Unterflockenbach gehört schon zu Hessen“. Der Kontakt kam durch die Bekanntschaft des Dirigenten Hans-Joachim Karl mit dem ehemaligen Chorleiter der Usenborner, Matthias Schmitt, zustande. Inzwischen wird der „Liederkranz“ Usenborn von Joachim Lotz dirigiert.

Robert Wegener warnte die anwesenden weiblichen Zuhörer zu Beginn, dass es für sie „etwas schockierend“ werden könnte, denn die Herren hätten vor, sich selbst kräftig zu feiern. Schon ihr zweites Lied von der schönen Stenka, die von der Wolga fortgetragen wird, zeige aber auch ihre „romantische Ader“, was von leisem Gelächter seitens der Damen quittiert wurde. Alle amüsierten sich aber köstlich über Westernhagens „Willenlos“, wo sich die starken Kerle nicht in der Lage sahen, „Natascha aus dem Wege zu gehen“. Den Abschluss des ersten Usenborner Parts bildete das „Pfund Zwiebelmett auf dem Fensterbrett“, das leider bei der Abfahrt in den Urlaub vergessen wurde.

Beim Männerchor aus Oberflockenbach leiteten zwei Sänger von einem Vortrag zum anderen, in dem sie in der Kneipe „bei der Rosi“ alle Getränke durchprobierten und auf die Lieder einstimmten. Auch sie waren der Meinung, dass „die Männer einsame Spitze“ sind – gaben dann aber doch zu, dass es ohne Frauen ziemlich traurig wäre. Bei einem Lied über Strafgefangene mit Ketten an den Füßen wurde tatsächlich mit Ketten auf der Bühne gerasselt und behauptet, dass sich die (armen) Männer manchmal in der Ehe so gefesselt fühlen. „O du lieber Augustin“ klang nur ein paar Takte lang wie ein Volkslied und verwandelte sich dann in einen Rap. Die Oberflockenbacher sangen schließlich noch ein Fußball-Lied, zu dem ihr Dirigent eine weiße Schaumlinie vor die Sänger sprühte.

„Männer sind Schweine“, behaupteten die Usenborner Sänger anschließend. Auf einen weiblichen Zuruf, dass sie auch mal was für Frauen singen sollten, wurde Herbert Grönemeyers Lied „Männer“ kurzerhand in „Frauen“ umgedichtet, die dann „als Kind schon auf blond gebleicht“ werden. Der Sketch „Das Haar in der Suppe“ schwankte zwischen lustig und unappetitlich mit einem schmuddeligen Chefkoch in verflecktem Feinripp-Unterhemd.

Das Lied „Owends“ – „Abends“ – wurde von Reinhold Rausch für die Gäste übersetzt, die sonst wahrscheinlich nichts verstanden hätten, und dann kamen auch die Männer aus Oberflockenbach noch einmal auf die Bühne, und gemeinsam wurde das „Hört ihr Herrn und lasst euch sagen“ gesungen, mit Robert Wegener als Nachtwächter mit einer winzigen Laterne. Gastgeschenke wurden ausgetauscht, das Heimatbuch Oberflockenbach gegen einen Korb mit „Worscht und Brut“ und dem Versprechen, dass die Usenborner am nächsten Wochenende zu einem Gegenbesuch nach Baden-Württemberg kommen.

Publiziert am: Dienstag, 20. Januar 2009 (9363 mal gelesen)
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